GmbH und AG sind die beiden klassischen Kapitalgesellschaftsformen der Schweiz – aber sie sind nicht gleich häufig. Die GmbH hat in den letzten Jahrzehnten die einst dominierende AG überholt und ist heute die meistgewählte Rechtsform für Neugründungen. Wie sieht das Verhältnis konkret aus? Welche Branchen bevorzugen welche Form? Wie viel Kapital wird tatsächlich eingezahlt? Dieser Datenüberblick antwortet mit konkreten Zahlen und nachvollziehbaren Quellen.
GmbH und AG – Schweiz in Zahlen
≈ 250'000
Aktive GmbH
≈ 225'000
Aktive AG
≈ 18'500
Neue GmbH / Jahr
≈ 4'000
Neue AG / Jahr
4.6 : 1
Verhältnis Neugründung
≈ 70 %
GmbH mit Mindestkapital
Stand Mai 2026. Quellen: Zefix, BFS, Creditreform – Details je Datenpunkt im Artikel.
Bestand: 475'000 GmbH und AG in der Schweiz
Im Schweizer Handelsregister sind insgesamt rund 475'000 Kapitalgesellschaften eingetragen (GmbH + AG zusammen). Die GmbH hat mit knapp 250'000 Einträgen die AG (≈ 225'000) heute überholt – ein historischer Wendepunkt, der etwa um 2010 eintrat.
| Rechtsform | Aktive Einträge im HR | Anteil |
|---|---|---|
| GmbH | ≈ 250'000 | ≈ 53 % |
| AG | ≈ 225'000 | ≈ 47 % |
Quelle: Zefix-Auswertung Stand Anfang 2026 (aktive, nicht gelöschte Einträge). Werte gerundet.
Neugründungen pro Jahr: GmbH dominiert deutlich
Bei den Neugründungen ist die GmbH klar dominant: pro Jahr werden rund 18'500 neue GmbH und nur 4'000 neue AG eingetragen. Das Verhältnis beträgt damit etwa 4.6 : 1 zugunsten der GmbH.
| Jahr | Neue GmbH | Neue AG | Verhältnis |
|---|---|---|---|
| 2015 | ≈ 13'800 | ≈ 4'200 | 3.3 : 1 |
| 2018 | ≈ 15'500 | ≈ 4'100 | 3.8 : 1 |
| 2020 | ≈ 16'500 | ≈ 4'000 | 4.1 : 1 |
| 2021 | ≈ 19'500 | ≈ 4'600 | 4.2 : 1 |
| 2023 | ≈ 18'200 | ≈ 4'050 | 4.5 : 1 |
| 2025 | ≈ 18'500 | ≈ 4'000 | 4.6 : 1 |
Quelle: BFS Unternehmensdemografie + Zefix-Auswertung. Das GmbH-zu-AG-Verhältnis hat sich in den letzten zehn Jahren zugunsten der GmbH verschoben.
Der Grund: Die GmbH bietet praktisch alle Vorteile einer Kapitalgesellschaft (beschränkte Haftung, Rechtspersönlichkeit) bei deutlich tieferer Eintrittsschwelle: CHF 20'000 Stammkapital statt CHF 100'000 Aktienkapital, einfachere Strukturen, weniger formale Anforderungen. Für kleinere Unternehmen, Start-ups in der Anfangsphase und Einpersonen-Gesellschaften ist sie damit die natürliche Wahl.
Welche Branchen wählen welche Rechtsform?
Die Wahl zwischen GmbH und AG ist branchenabhängig. AG dominiert überall dort, wo Regulierung, Kapitalbedarf oder Anonymitäts- bedürfnisse hoch sind. GmbH dominiert bei KMU-typischen Dienstleistungen, Handwerk und kleinen Tech-Unternehmen.
| Branche | Dominante Form | Anteil AG |
|---|---|---|
| Banken / Versicherungen | AG | ≈ 95 % |
| Asset Management / Fondsleitung | AG | ≈ 85 % |
| Holding-Strukturen | AG | ≈ 80 % |
| Pharma / Life Sciences (gross) | AG | ≈ 70 % |
| Industrieproduktion (gross) | AG | ≈ 60 % |
| Immobilien (Anlage) | AG | ≈ 55 % |
| Beratung / Consulting | GmbH | ≈ 25 % |
| IT / Software / Start-ups | GmbH | ≈ 25 % |
| Anwälte / Treuhand | GmbH | ≈ 30 % |
| Gastronomie / Hotellerie | GmbH | ≈ 20 % |
| Bau / Handwerk | GmbH | ≈ 15 % |
| Detailhandel / KMU | GmbH | ≈ 15 % |
Quelle: Zefix-Sektor-Analyse + Bisnode/Creditreform Branchen- statistik. NOGA-Branchencodes aggregiert.
Kapitalhöhe: 70 % der GmbH gründen mit Mindestkapital
Stammkapital-Verteilung bei der GmbH
| Stammkapital (CHF) | Anteil |
|---|---|
| 20'000 (Minimum) | ≈ 70 % |
| 20'001 – 50'000 | ≈ 15 % |
| 50'001 – 100'000 | ≈ 9 % |
| 100'001 – 500'000 | ≈ 5 % |
| über 500'000 | ≈ 1 % |
Aktienkapital-Verteilung bei der AG
| Aktienkapital (CHF) | Anteil |
|---|---|
| 100'000 (Minimum) | ≈ 50 % |
| 100'001 – 200'000 | ≈ 18 % |
| 200'001 – 500'000 | ≈ 14 % |
| 500'001 – 1'000'000 | ≈ 8 % |
| 1'000'001 – 5'000'000 | ≈ 6 % |
| über 5'000'000 | ≈ 4 % |
Quelle: Zefix-Auszüge + Aktienrechts-Studien. Knapp die Hälfte aller AG gründet mit dem gesetzlichen Mindestkapital von CHF 100'000; bei der GmbH sind es sogar 70 %.
Sitzkanton: wo werden GmbH und AG gegründet?
| Kanton | Anteil neue GmbH | Anteil neue AG | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Zürich | ≈ 22 % | ≈ 25 % | Finanzplatz erhöht AG-Anteil |
| Bern | ≈ 11 % | ≈ 8 % | KMU-orientiert, mehr GmbH |
| Genf | ≈ 9 % | ≈ 12 % | Finanzplatz, Trading, AG-stark |
| Waadt | ≈ 9 % | ≈ 8 % | ausgewogen |
| Aargau | ≈ 7 % | ≈ 5 % | KMU + Industrie |
| Tessin | ≈ 4 % | ≈ 7 % | Finanzdienstleister, AG-stark |
| Zug | ≈ 3 % | ≈ 8 % | Holdings + Crypto, sehr AG-lastig |
| St. Gallen | ≈ 5 % | ≈ 4 % | ausgewogen |
| Basel-Stadt | ≈ 4 % | ≈ 4 % | Pharma erhöht AG-Anteil |
| Luzern | ≈ 4 % | ≈ 3 % | KMU-orientiert |
Quelle: IFJ-Gründungsmonitor + Zefix-Sitzauswertungen. Der AG-Anteil ist in Kantonen mit Finanzplatz, Holding-Strukturen oder internationalen Headquarters überproportional vertreten (ZG, GE, TI, ZH).
Sacheinlage: Anteil je Rechtsform
Eine Sacheinlagegründung (Kapital wird durch Vermögenswerte statt Bargeld liberiert) ist rechtlich anspruchsvoller (Sacheinlagevertrag, Gründerbericht, Prüfungsbestätigung). Trotzdem nutzen sie viele Gründer – vor allem bei der AG mit grösserem Mindestkapital.
| Rechtsform | Anteil Sacheinlagen | Typische Einbringungen |
|---|---|---|
| GmbH | ≈ 6 % | Vermögenswerte aus Einzelfirma, Fahrzeuge, Maschinen, vereinzelt USDT/Krypto |
| AG | ≈ 13 % | Liegenschaften, Wertpapiere, Beteiligungen, Holdings, USDT/Krypto, Kunst |
Quelle: EHRA-Praxis-Statistik + Hochrechnung aus Sacheinlagevertrag-Beurkundungen. Mehr Details in unserem Sacheinlage-Leitfaden.
Rechtsformwechsel: wie viele wandeln um?
Pro Jahr werden geschätzt 600–800 GmbH in AG umgewandelt – typisch dann, wenn die Gesellschaft wächst und z.B. Investoren aufnehmen, Aktien-basierte Mitarbeiterbeteiligungen einführen oder die Anonymität der Eigentümer wahren möchte. Umgekehrt (AG → GmbH) kommen jährlich nur etwa 200–300 Fälle vor, meist bei schrumpfenden Strukturen oder Vereinfachungs-Reorganisationen.
Quelle: BFS Unternehmensdemografie – Umwandlungsstatistik; Zefix-Auswertung.
Liquidationsraten: GmbH leicht häufiger
Die Liquidationsraten unterscheiden sich gemessen am Bestand nur leicht – die GmbH liegt etwas höher, was vor allem an der geringeren Kapitalisierung und der höheren Anzahl Mikro-Unternehmen liegt.
| Rechtsform | Liquidationen / Jahr | Konkurse / Jahr | Jahresrate (Liq.+Konkurs) |
|---|---|---|---|
| GmbH | ≈ 5'500 | ≈ 2'800 | ≈ 3.3 % |
| AG | ≈ 4'000 | ≈ 1'900 | ≈ 2.6 % |
Quelle: Creditreform Konkursstatistik + SHAB-Liquidations- veröffentlichungen. Rate = (Liquidation + Konkurs) / aktiver Bestand des jeweiligen Jahres.
Internationalität der Gründer
Während rund 25–30 % aller Neugründungen durch Personen mit Wohnsitz oder Staatsangehörigkeit im Ausland involvieren, liegt der Anteil bei der AG höher (≈ 35 %) als bei der GmbH (≈ 25 %). Grund: Internationale Holding-Strukturen, Trading-Gesellschaften und Finanzdienstleister wählen überproportional die AG.
Methodik und Quellen
Die hier präsentierten Zahlen basieren auf den folgenden öffentlich zugänglichen, etablierten Quellen:
- EHRA / Zefix (Eidg. Amt für das Handelsregister) – Zentraler Firmenindex mit allen aktiven HR-Eintragungen, inklusive Rechtsform, Sitz, Kapital und Branchencode.
- Bundesamt für Statistik (BFS) – Unternehmensdemografie (jährlich), STATENT, Konkurs- und Liquidationsstatistik.
- IFJ Institut für Jungunternehmen – Gründungsmonitor mit Sitz- und Branchen-Aufschlüsselungen.
- Creditreform / Bisnode – Konkursstatistik, Bonitätsanalysen, Branchen-Tracking.
- SHAB (Schweizerisches Handelsamtsblatt) – offizielle Liquidationspublikationen.
Werte sind auf signifikante Stellen gerundet (typischerweise auf die nächsten 500 oder 1'000). Definitive Werte für 2025/2026 werden mit zeitlichem Versatz publiziert; wir aktualisieren diesen Artikel jährlich.
Zitation
Die Daten dieses Artikels dürfen unter Angabe der Quelle frei zitiert werden. Empfohlene Zitation:
Online Notariat Schweiz (2026): GmbH oder AG: Die Schweiz in Zahlen – Marktanteile & Statistiken. online-notariat.ch/gmbh-oder-ag-schweiz-statistiken-marktanteile (abgerufen am [Datum]).
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